< 47 Expertentipps zur Burnoutprävention
23.03.2015

Gesunde Selbstführung und Mitarbeiterführung


Gesunde Führung beginnt immer beim Chef selbst. Wenn es der Führungskraft nicht gut geht, ist sie nicht offen in der Wahrnehmung ihrer Mitarbeiter und deren Wohlbefinden. Der unter Druck stehende, selbst angeschlagene Chef bemerkt nicht oder interessiert sich nicht dafür, wenn Mitarbeiter dünnhäutiger werden, dauerhaft Stresssymptome zeigen etc.

Sorgen Sie für einen erholsamen Schlaf. Der Schlaf hat für uns Menschen schon immer die Bedeutung von Erholung, wir brauchen ihn um zu regenerieren. Dauerhafte Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen mindern unsere Leistungsfähigkeit deutlich. Deshalb hilft es einige Grundregeln zu beachten und ein entsprechendes Grundverständnis für den Schlaf zu entwickeln. Zum Schlafen hinlegen bedeutet relativ schutzlos zu sein. In unserem Hirn ist deshalb programmiert jede circa 90 Minuten die Tiefe des Schlafs zu verringern, um uns unserer Umgebung zu vergewissern. In einer solchen Phase erwachen viele gestresste Menschen gegen z.B. 4 Uhr morgens und können dann nicht mehr einschlafen. Dies können Sie verhindern indem Sie Atemübungen und andere Entspannungsmethoden erlernen, die Sie wieder einschlafen lassen. Unterstützend hilft auch: Kein Fernseher, Schreibtisch und andere Gegenstände im Schlafzimmer, die mit Anspannung verbunden werden.

Beruhigen Sie sich. Dass der Alltag gewöhnlich mit Stress verbunden ist, lässt sich nicht vermeiden. Für die Auswirkung auf die persönliche Gesundheit ist jedoch entscheidend, ob man das mentale und emotionale Stressempfinden und damit auch den körperlichen Cortisolspiegel zwischendurch wieder reguliert oder nicht. Beispiel: Eine Führungskraft hat einen stressigen Tag mit vielen Terminen, Zeitdruck und Dingen, die schief gehen. Deshalb entscheidet er sich auf die Pausen komplett zu verzichten. Sein Cortisolspiegel und damit die innere Anspannung ist am Abend extrem hoch und kann zu Schlafproblemen, Gereiztheit und Unausgeglichenheit führen. Ein vergleichbar gestresster Kollege, der schon am Vormittag Termine am Nachmittag absagt und einiges delegiert, kann sowohl seine Pausen einhalten als auch am Abend sein Bewegungstraining absolvieren. Er kommt relativ ausgeglichen nach Hause und freut sich auf die Familie.

Sorgen Sie gut für sich bevor es wieder niemand anders tut. Niemand außer Ihnen selbst weiß so gut was Ihnen gut tut, was Sie brauchen um eine starke Belastung zu meistern, was Sie sich als Belohnung wünschen, was Sie schon längst wieder einmal gerne machen würden… Deshalb: Sorgen Sie dafür, daß es geschieht. Übernehmen Sie für sich selbst Verantwortung, nicht nur für Ihren Beruf und Ihre Familie.

Eine gute Lebensbalance, die eine lebenslange Leistungsfähigkeit ermöglicht und eine frühzeitige Erschöpfung verhindert, beginnt bei den eigenen Werten. Wer sich vergegenwärtigt, dass der Wert Gesundheit mindestens genau so wertvoll ist wie der Wert beruflicher Erfolg oder Beliebtheit bei anderen, hat den entscheidenden ersten Schritt getan, um sein Leben entsprechend zu organisieren. Stellen Sie täglich unter Beweis wie wichtig Ihnen ihre eigene Entspannung, gesunde Ernährung und Ausgleichsbewegung und Lebensfreude sind.

Sich anderen zumuten. Um von anderen Anerkennung zu erhalten, passen wir uns an und versuchen es anderen recht zu machen. Das ist ein menschlicher Zug, der im gemeinschaftlichen Leben hilft mit einander auszukommen. Wer jedoch in Familie, Beruf und Freundschaften zu sehr versucht es immer wieder anderen recht zumachen, der läuft Gefahr emotional auszubrennen. Denn die Anerkennung von außen ist zerbrechlich und kann eine wirkliche Selbstannahme nicht ersetzen. Die Zuwendung von anderen kann zum Beispiel einfach verloren gehen, weil sich die Interessen des Gegenüber verändert haben und man ist für ihn nicht mehr so wichtig. Vor immer wieder kehrenden Enttäuschungen in beruflichen und privaten Beziehungen kann man sich schützen, indem man anderen Grenzen setzt und seine eigenen Bedürfnisse, Ideen und Wünsche einbringt. Wirkliche Wertschätzung erfährt man nur von Menschen, denen man sich mit seinen Wünschen etc. zumutet, und die sich dann nicht abwenden oder einem den Krieg erklären.

Rund 55 Millionen Fehltage wurden 2014 wegen psychischer Belastung gezählt. In vielen Fällen führt emotionale Erschöpfung zu verminderter Leistungsfähigkeit oder Arbeitsausfall. Deshalb: Geben Sie dem Genießen, dem Spaßhaben, den Lustigkeiten Ihres Lebens mehr Zeit und Raum. Und akzeptieren Sie keine Ausreden. Dieser Lebensgenuß hat Vorrang, denn sonst können Sie auch nicht dauerhaft gute Leistung bringen.

Welche ursprüngliche Bedeutung hatte eigentlich einmal das Wort „Feier-abend“? Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten so, daß Sie nach getaner Arbeit noch feiern können bzw wollen. Das wäre ein gutes Anzeichen für eine Lebensbalance, in der neben der Berufstätigkeit und anderen Arbeiten auch das Feiern und Spaßhaben ausreichend Platz hat. Traurige Bilanz: 88 Prozent aller Deutschen kennen mittlerweile keinen klassischen Feierabend mehr. (Wirtschaftswoche, 26.5.12, Nr. 22, S.106)

Beenden Sie das Peter-Prinzip. Alle Mitarbeiter, Führungskräfte und Personalverantwortliche sind dazu aufgerufen, das Peter-Prinzip zu stoppen. Dieses Prinzip besagt, daß Mitarbeiter und Chefs oft bis zu einer Stufe immer weiter Karriere machen, in der sie dann überfordert und für das Unternehmen weniger wirksam sind. Viele Führungskräfte werden immer noch wegen ihrer fachlichen Qualifikation befördert. In der Personalführung, Personal- und Organisationsentwicklung ihres Verantwortungsbereiches sind sie oft überfordert, was zu Erschöpfung, Burnout und dauerhafter Leistungsminderung führen kann. Hilfreich ist eine wirksame Personalauswahl und Förderung, so daß keine dauerhafte Überforderung für den einzelnen entsteht.

Sprechen Sie auffällige Mitarbeiter an. Egal ob Kollege oder Chef: Reden Sie vertrauensvoll und einfühlsam fragend mit Mitarbeitern, die Ihnen in letzer Zeit auffallen durch ungewöhnlichen Rückzug, Unkonzentriertheit, Leistungsabfall bei vermehrten Arbeitszeiten. Auch plötzliche Schweißausbrüche, Schwindel und Zittern können Anzeichen dafür sein, daß der Kollege dauerhaft erschöpft und Burnout gefährdet ist. Unterstellen Sie ihm nichts, reden Sie mit ihm von Mensch zu Mensch und meinen Sie es gut mit ihm.

Akzeptieren Sie Krisen. Solange Sie eine Krise nicht wirklich akzeptieren, werden Sie viel Energie verbrauchen ohne wirklich weiter zu kommen. Krisen sind unangenehm, aber sie sind notwendig für die Weiterentwicklung. Nur wer die Krise (egal ob beruflich, gesundheitlich, familiär ) akzeptiert und etwas daraus lernt hat einen Nutzen daraus gezogen. Wer in der Krisenbewältigung stecken bleibt, weil er sich ihr nicht stellt und Verantwortung für seinen Anteil übernimmt, kann emotional erschöpfen.

Sich selbst zu akzeptieren, noch besser sogar sich selbst zu schätzen oder gar zu lieben ist der beste Schutz gegen Burnout. Denn wer sich selbst und seine Bedürfnisse und Wünsche für wertvoll hält und danach handelt, wird sich selbst nicht ausbeuten und ausbeuten lassen. Die Selbstwertschätzung sorgt dafür, daß man auf sich selbst achtet und gut für sich sorgt. Ein gesundes Verhältnis von Geben und Nehmen ist die Folge und bewahrt vor emotionaler Erschöpfung.

Zielorientierung hilft bei der Vorbeugung von Burnout. Wer klare Ziele vor Augen hat und sich nicht übernimmt, beugt frühzeitiger Erschöpfung und Burnout vor. Wichtig ist, die Ziele abzustimmen und klare Prioritäten zu setzen. So sollten zum Beispiel persönliche Zielsetzungen zu Freizeitspaß , Bewegung und Ernährung nicht gegenüber beruflichen Zielen permanent vernachlässig werden.

Lösungsorientierung hilft gegen Erschöpfung und beugt Burnout vor. Probleme haben alle Menschen mehr oder weniger. Das Erleben von Anstrengung und Erschöpfung durch Problemsituationen ist jedoch wesentlich davon abhängig, ob ich mit dem Erfassen des Problems beginne nach einer Lösung zu suchen oder ob ich mich immer wieder auf das Problem konzentriere und damit sozusagen festbeiße.

Um die persönlichen Widerstandskräfte gegen Burnout zu stärken, hilft eine individuelle Lebensplanung. Dazu gehören bildhafte Vorstellungen wie man in Zukunft leben möchte, wie das eigene Leben aussehen könnte, wenn man alle Einschränkungen einmal bei Seite lässt. Worauf möchten Sie stolz zurück schauen, wenn Sie im Alter Ihr gelebtes Leben betrachten? Mit einer attraktiven Lebensplanung lassen sich schwierige Situationen im Alltag leichter meistern und kosten weniger Kraft.

Gesundheitsförderliches Führungshalten wirkt sich positiv auf die psychische Gesundheit von Mitarbeitern aus. So kann der Chef bei seinen Mitarbeitern Burnout vorbeugen. Für Chef und Mitarbeiter ist dabei entscheidend über ausreichend Gestaltungsspielraum verfügen. Untersuchungen (u.a. von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) zeigen, dass gesundheitsförderliche Führungskräfte sich dadurch auszeichnen, dass sie Verantwortung für die Gesundheit der Mitarbeiter übernehmen, Gesundheitsthemen aktiv kommunizieren und Mitarbeiter zur Gesundheitsförderung motivieren.