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23.03.2015

Persönliche Stärkung von Resilienz


DEFINITION: Resilienz ist die Fähigkeit, mit Krisen, Niederlagen und Misserfolgen so umzugehen, dass der vorherige Gesundheitszustand wiederhergestellt wird oder sogar eine Verbesserung aufgrund von Dazulerneffekten stattfindet.

So betrachtet ist in der modernen Arbeitswelt Resilienz eine Kernkompetenz, die zwar zum Teil genetisch bedingt, aber zu einem entscheidenden Teil auch erlernbar ist.

Die persönliche Resilienz (psychische Widerstandskraft, s.o.) kann beeinflusst werden. Zum Beispiel durch folgendes:

Akzeptanz der Krise. Sie können Ihre persönliche Resilienz verbessern, indem Sie eine Herausforderung akzeptieren und annehmen so wie sie ist. Wer Krisen und Probleme negiert, kann sich ihnen nicht stellen und sich mit ihnen auseinander setzen. Dieses Nicht-akzeptieren-wollen kennzeichnet viele Krisenerlebnisse. Besser ist es jedoch sich zumindest mit der Zeit zu stellen. Beispiel einer Frau nach der Trennung von ihrem Mann: “Zuerst wollte ich es nicht wahrhaben, daß er mich verläßt. Es war schrecklich und ich wollte es nicht wahrhaben. Heute sehr ich es als großes Glück an, daß er diesen Schritt getan hat. Diese Umorientierung wurde erst möglich als ich wirklich akzeptiert habe, daß ich von ihm verlassen wurde und er mit einer anderen Frau zusammen lebt.“

Selbstakzeptanz. Sie können Ihre persönliche Resilienz verbessern, indem Sie sich selbst annaehmen so wie sie sind. Mit allen Schwächen und Unzulänglichkeiten, aber auch mit all den charmanten, liebenswerten Seiten und Stärken. Wer sich selbst annimmt oder sogar liebt wie er ist, hat relativ wenig von außen zu erwarten, was seine Resilienz angreift. So gesehen ist die tiefgehende Selbstakzeptanz, die nichts mit Egozentrismus oder Narzißmus zu tun hat, ein hervorragender Schutz gegen Angriffe von außen und somit ein wesentlicher Resilienzförderer.

Optimismus. Sie können Ihre persönliche Resilienz verbessern, wenn Sie auf Basis einer realistischen Selbsteinschätzung optimistisch sind hinsichtlich der Bewältigung von Herausforderungen. Selbstüberschätzung ist ebenso schädlich wie Selbstunterschätzung. Selbstüberschätzung führt zu der Erfahrung, doch nicht so gut zu sein wie man dachte. Und Selbstunterschätzung führt in vielen Fällen dazu, daß man erst gar nicht Herausforderungen annimmt, auch wenn diese zu einer selbstbestärkenden Bewältigungserfahrung hätten führen können. Es hilft zudem der Glaube daran, daß eine Herausforderung bewältigbar ist oder eine Krise zeitlich begrenzt sein wird und überwunden werden kann.

Zukunftsplanung. Sie können Ihre persönliche Resilienz verbessern, indem Sie sich attraktive Vorstellungen über die eigene Zukunft machen. Streben Sie eine schöne Zukunft an, für die es sich lohnt zu leben und zu streiten? Wenn Sie sich diese Zukunft bildlich vorstellen, wie sieht sie aus, wer kommt darin vor, wer verhält sich wie…? Und was müssen Sie Ihrer Meinung nach jetzt tun, um diese Zukunft zu sponsoren? Denn: von nichts kommt nichts. Wer seine attraktive Zukunft vor dem inneren Auge hat und dorthin strebt, stärkt seine Resilienz. Denn so macht es Sinn die Gegenwinde und Stürme des Alltags zu überstehen.

Netzwerke und Gemeinschaft. Sie können Ihre persönliche Resilienz verbessern, indem Sie sich ein möglichst stabiles soziales Umfeld gestalten, auf das sie sich verlassen können. Oft sind es nur einige wenige Menschen, zu denen man ein tiefes Vertrauen aufgebaut hat, die einen stützen und mit denen man „durch dick und dünn“ gehen kann. Das sichere Gefühl von Zugehörigkeit zu einer tragenden Gemeinschaft stärkt die persönliche Resilienz erheblich. Man fühlt sich angesichts einer Krise nicht allein und einer möglichen Übermacht an Herausforderung ausgeliefert, sondern hat Verstärkung. So verringert sich auch das Stresserleben im Alltag, wenn man weiß, daß es Menschen gibt, die mir in der anstehenden herausfordernden Situation bei Bedarf helfen werden. Auch der Aufbau eines umfassenden Netzwerkes von Experten für verschiedene Bereiche kann die persönliche Resilienz fördern, wenn dadurch ein Sicherheitsgefühl von latenter sozialer Unterstützung entsteht.

Verlassen von Opferrolle. Sie können Ihre persönliche Resilienz verbessern, indem Sie keine Opferrolle einnehmen, sondern eher eine Täterrolle. Das bedeutet sich seines Anteils an Verantwortung für soziale Situationen bewußt zu sein und diese zu tragen. Dazu gehört es auch Fehlentscheidungen einzugestehen und damit selbstbewußt zu leben. Als sogenannter Täter übernimmt man Verantwortung für das was man getan hat und das was man unterlassen hat. So gewinnt man Resilienz und lernt aus den eigenen Handlungen permanent hinzu. Durch Erfolge und Mißerfolge, für die man Verantwortung übernimmt.

Unterstützend wirkt immer Selbstwirksamkeitsüberzeugung, also die Überzeugung, daß man selbst etwas bewirken kann, nicht ausgeliefert und ein Opfer ist, sondern daß man Handlungsmöglichkeiten hat. Egal wie umfangreich diese sind. Wichtig ist dabei die Konzentration auf das, was man tatsächlich bewirken kann.

Verantwortungsübernahme. Sie können Ihre persönliche Resilienz verbessern, indem Sie für Ihr Leben und Ihren Teil Verantwortung übernehmen. Aber nicht für andere Menschen und deren Anteile. Die Bereitschaft und Reife sein eigenes Leben zu leben hilft Krisen zu meistern. Man betrachtet sich nicht als hilfloses Opfer, sondern als Gestalter, der zwar nur begrenzte Möglichkeiten hat. Aber die hat er. Weder pubertär anmutende Omnipotenzgefühle noch Sündenbockbereitschaft helfen wirklich auf Dauer weiter, sondern realitätsbezogene Verantwortungsübernahme für sich selbst. Frage zur Reflektion: „Lebe ich mein Leben? Oder leben ich ein Leben, das andere von mir erwarten?“

Lösungsorientierung. Sie können Ihre persönliche Resilienz verbessern, indem Sie auf der Basis von Optimismus und Akzeptanz nach pragmatischen Lösungen suchen und nicht in der Fixierung am Problem hängen bleiben. Nicht Problemtrance, sondern Lösungsorientierung fördern Resilienz, die es ermöglicht Herausforderungen besser zu meistern. Natürlich gehört die Analyse der Problemsituation dazu, aber man sollte nicht dabei hängen bleiben. Anhand des Analysierten einen neuen Lösungsweg finden und angehen stärkt die persönliche Resilienz. Kennen Sie zum Beispiel die Problemlösungsmethode des Tetralemmas?

Zielorientierung. Sie können Ihre persönliche Resilienz verbessern, indem Sie Ihre Energie auf Ihre persönlichen Ziele und die Ziele Ihrer Gemeinschaft konzentrieren und nicht desorientieren lassen. Mitmenschen werden Sie immer wieder für deren Ziele gewinnen wollen oder sie werden versuchen Sie zu manipulieren. Zielorientierung im Sinne der persönlichen Resilienz bedeutet, den eigenen Werten, Bedürfnissen und Interessen treu zu bleiben und zielgemäß gut für sich zu sorgen. Wer seine eigenen Ziele (z.B. gesundheitliche, familiäre, berufliche, freundschaftliche) kennt und sich fair für sie einsetzt, ist im Vorteil.

Sinn und Nutzen von Resilienzerwerb sollten es nicht sein noch mehr Belastungen für eine Weile zu durchstehen, um nachher noch ausgebrannter und erschöpfter zu sein als zuvor. Die eigenen Grenzen der gesunden Belastung sollten auf jeden Fall beim Aufbau und der Nutzung von Resilienz individuell beachtet werden.